#weilichetwaszusagenhabe Part II

Posted on 20. Juli 2017 by benancy

Ich blinzle. Die Sonnenstrahlen, die sich durch meine Vorhänge drängen, scheinen mir ins Gesicht. Ich schlage die Baumwolldecke zurück, schwinge meine Beine zur Seite und ertaste mit meinen Füßen den Dielenboden. Ein Knarzen bei jedem meiner Schritte. Ich gehe in die Küche, laufe über die kalten Fliesen in Richtung Kühlschrank und noch bevor ich die Kühlschranktür öffne, springt mir ein kleiner weißer Zettel mit blauer Aufschrift entgegen. Über dem liebevoll gezeichneten Herz steht:

„Sorry, Babe. Habe es leider nicht mehr geschafft, einkaufen zu gehen. Genieß deinen freien Tag!“

Und obwohl ich eigentlich schon weiß, dass mich hinter der Kühlschranktür nur gähnende Leere begegnen wird, öffne ich sie dennoch. Und ich hatte Recht: Neben einer leeren Schachtel Eier liegt lediglich noch eine Packung Markenbutter. 

Ich atme mit herunterhängenden Schultern tief ein und seufze, fahre mir durch die Haare und stiefele ins Badezimmer, putze mir die Zähne, kämme mir die Haare und werfe mir mein Oversize Shirt über. Auf dem Weg zur Tür schnappe ich mir eine Tasche und mein Portemonnaie. Ich laufe die Treppen herunter auf dem Weg zum Einkaufsmarkt, der sich direkt um die Ecke befindet und während ich die letzten drei Stufen erreiche, öffnet sich hinter mir eine Tür.

„Was soll das? Du sollst hier bleiben! Du sollst dich um den Haushalt kümmern, Wäsche waschen und nicht mal an einen richtigen Job denken!“

Ich bleibe stehen. Wie gabannt schaue ich zu dem Mann mit den dunkelbraunen Haaren auf, der durch die offene Tür mit seiner Frau streitet. Ich will weiter gehen, aber irgendwas hält mich fest. Ich kann nicht wegschauen – wie bei einem Unfall, bei dem man eigentlich nicht hinsehen will, aber es einfach nicht lassen kann.

„Wer hat dir den Floh ins Ohr gesetzt, dass du dir einen Job suchst? Frauen gehören an den Herd!“

Wie von Zauberhand bewegen sich meine Beine weiter. Ein Schritt vor den anderen. Und ehe ich mich wieder bei vollem Bewusstsein befinde, stehe ich schon im Supermarkt. Ganz automatisch greife ich in mein schwarzes Portemonnaie, hole ein 1€ Stück hervor, schiebe es in den Einkaufskorb und laufe die Gänge entlang. Noch immer will mein Gehirn nicht ganz verarbeiten, was da gerade passiert ist. Noch immer kann ich es einfach nicht fassen, dass es auch im Jahr 2017 noch Menschen gibt, die eine solch veraltete Auffassung haben – unabhängig vom eigenen Alter. Ich schüttle den Kopf. ‚Wieso sollen gerade wir Frauen zu Hause bleiben, wenn viele Männer es nicht einmal schaffen, ein paar Grundnahrungsmittel im Markt um die Ecke einkaufen zu gehen?‘, denke ich. Sind es nicht zumeist wir Frauen, die neben der Arbeit den Haushalt schmeißen, weil unsere Männer vom Job zu kaputt sind?

Ich schiebe den Wagen automatisch durch die Obst- und Gemüseregale, während ich darüber nachdenke, was ich in dieser Situation getan hätte. Sind wir nicht eigentlich über den Punkt hinaus, dass andere für uns entscheiden, was wir zu tun und zu lassen haben? Ich selbst entscheide, ob ich arbeiten gehe, ob ich Avocados kaufe, ob ich dies oder jenes anziehe. ICH entscheide es so, weil ICH es so will und niemand kann mich von meinen Entscheidungen abbringen.

Mit einem halb leeren Einkaufswagen verlasse ich den Supermarkt, packe die Nahrungsmittel in meiner dafür vorgesehene rote Tasche und trage sie die Treppen hoch zur Wohnung. Selbst ist die Frau! 

Ich schließe die Tür hinter mir und drehe den Schlüssel zwei Mal herum. Als ich eine Treppenstufe nach der anderen heruntersteige, höre ich schon, wie sich eine Tür öffnet. Der Mann von gestern tritt in den Hausflur. Ich laufe an ihm vorbei, halte dann kurz an und drehe mich zu ihm herum. Er schaut mich an, ich grinse und deute auf die schwarze Aufschrift auf meinem Shirt: ‚I’m a Women. What´s your superpower?‘ 

„Noch Fragen?“, sage ich, drehe mich herum, laufe auf die Straße und höre nur noch die Tür hinter mir zufallen.

*fiktive Geschichte mit wahrem Kern

Die coolen Shirts sind übrigens aus der Kollektion von der lieben Karin von Constantly K . Ich finde die Message einfach super und habe mich sofort in die Shirts verliebt, sodass ich mir gleich 3 bestellen musste. Sorry not sorry! 

xx, Nancy