Ich rutsche auf meinem Sitz hin und her. Wir biegen um die Ecke und das Auto bleibt langsam stehen. Ich streiche über den rauen Gurtstoff und löse ihn, öffne die Tür, steige aus und schleife meine neue Tasche hinter mir her. „Tschüss, bis später!“, verabschiede ich meine Mama, die mich wie jeden Tag zur Schule gefahren hat und schlage die Tür zu. Sie legt den Blinker ein und fährt davon. 

Ich betrete das Schulgelände, laufe in Richtung Eingangstür und während ich die 97 Stufen zu meinem Klassenzimmer hochsteige, versuche ich krampfhaft normal zu atmen, damit ich, wenn ich oben angekommen bin, nicht so untrainiert wirke, wie ich in Wirklichkeit bin. 

Ich laufe in das Zimmer und begrüße meine Freunde, ziehe meinen Stuhl zurück und schwinge meine Tasche auf den Tisch. „Du hast eine neue Tasche?“, fragt J. Ich nicke. Ich erzähle ihr, dass ich am Wochenende mit meiner Familie einen Shoppingtrip gemacht habe und ich mir unter anderem diese Tasche gekauft habe. „Schick.“, antwortet sie und runzelt die Stirn. Über ihrer Nase legt sich ihre Haut in Falten. „Wieso ist da ein Anhänger mit dem Buchstaben A?“ Ich schaue zu meiner Tasche und greife nach dem Anhänger. Das „A“ ist ungefähr so groß wie meine Hand und mit Glitzersteinen beklebt. ‚Die Steine werden wohl nicht so lange halten.‘, denke ich. „Amisu. Die Eiegenmarke von New Yorker, schätze ich.“ „Hm – trotzdem wäre ein N irgendwie cooler!“ Ich derhe den Anhänger zwischen meinen Fingern hin und her, schaue hoch, streiche mir eine Haarsträhne aus dem Gesicht und lächle: „Kannst mir ja einen kaufen.“, gebe ich zurück. Sie grinst zurück und schüttelt leicht den Kopf – ihre Haare schwingen bei der Bewegung. „Nein, danke Anancy.“, antwortet sie, dreht sich um, setzt sich auf ihren Platz und zupft ihr Outfit zurecht. 

Ab diesem Zeitpunkt hatte ich dann mehr oder weniger einen Spitzenamen. Das Wort ‚Spitzname‘ trifft es nicht ganz, denn das würde eigentlich eher eine Kürzung des Namens bedeuten und in meinem speziellen Fall kam sogar noch ein Buchstabe dazu, aber wie auch immer – ich nenne es Spitzname. Und so wie sich im Laufe der Zeit Menschen ändern können, indem sie erwachsener werden; die Jahreszeiten sich abwechseln oder Gewohnheiten und Vorlieben sich gegenseitig ablösen, so können sich auch Spitznamen ändern. So war es auch bei mir. Aus Anancy wurde Benancy und das verfolgte mich dann ca. 2,5 Jahre meiner letzten Jahre auf der Schule. Und für mich gehört dieser Name einfach zu meinem Leben dazu. Ich verbinde damit viele schöne Erinnerungen und vor allem sehr viele lustige und spaßige Situationen.
Daher war es für mich ab einem bestimmten Zeitpunkt auch klar, dass mein Blog so heißen würde. Vor allem durch die eideutige Zweideutigkeit des Namens:

Benancy – entstanden in meiner Schulzeit durch eine Tasche mir einem Anhänger
oder
be nancy – zu gut Deutsch: Nancy sein.

Und genau das ist es ja auch, was meinen Blog ausmacht oder? Ich schreibe über Dinge, die mich beschäftigen; Produkte, die ich gerne mag; Kleidung, die ich ständig trage und auch über ganz persönliche Themen. Benancy ist etwas ganz persönliches für mich, weil ich sehr viel Zeit, Liebe und Arbeit investiere und alles, was ich hier schreibe; Fotos, die ich hier zeige, sind zu 100% NANCY. Ich schildere die Dinge so, wie ich sie sehe und deswegen ist auch der zweite Ansatz „Nancy sein“ einfach nur mehr als passend.

Ein ganz spezielles Dankeschön geht an J, die diesen hervorragenden Einfall hatte.

xx Nancy