#weilichetwaszusagenhabe

Posted on 12. Januar 2017 by benancy

Jeden Morgen, wenn ich meine Augen öffne, lehne ich mich zur Seite, um den Wecker auszuschalten, schlage die Decke zurück und schwinge mich aus meinem Bett und setze meine Brille auf. Jeden Morgen gehe ich ins Badezimmer, putze meine Zähne und ziehe mich an. Meine Lieblingsjeans, meinen Ledergürtel und irgendein Bandshirt. Dann steige ich die Treppe herunter und nehme mir mein Frühstück aus dem Kühlschrank, bevor ich zum Bus laufe. Jeden Morgen das gleiche – fast schon mechanisch.
Und jeden Morgen – außer an den Wochenenden – steige ich aus dem Bus aus. Meine viel zu weite Hose und mein viel zu weites Shirt schlabbern im Wind, aber so sehe ich wenigstens nicht so dünn aus. So sehen mich die anderen wenigstens nicht an, als würde ich gleich umfallen. Und so bekomme ich wenigstens nur noch 80 mal am Tag zu spüren, wie sehr mich die anderen nicht leiden können. ‚Du bist hässlich.‘, haben sie gesagt. ‚Gibt dir niemand was zu essen?“, haben sie gefragt. ‚Ekelhaft dünne Brillenschlange!‘, haben sie mich genannt. Und auch, wenn ich diese drei Größen zu großen Kleidungsstücke nicht mag, sie nicht schön finde und mindestens 2 Mal am Tag irgendwo hängen bleibe – schon allein diese 20% weniger Mobbing, diese 20% des Schultages, die ich meine Ruhe habe, ist es gut, dass ich mich durch meine Kleidung verändert habe. Und wenn ich mich weiter verändere, dann werden sie mich irgendwann mögen… 

Was genau gibt Menschen ein gutes Gefühl dabei, wenn sie alle Zeit und Energie, die sie haben, darin verwenden, um eine oder mehrere Personen auf irgendeine Art und Weise schlecht zu machen? Warum muss man immer an anderen etwas zu meckern finden?
Ob diejenigen sich vielleicht schon einmal die Frage gestellt haben, wie sie sich fühlen würden, wenn sie in der Haut des anderen stecken?
Jeder Mensch, egal ob jung, ob alt, ob Mädchen, ob Junge, ob dick, ob dünn, ob sportlich oder kurvig. Jeder Mensch, egal ob hellhäutig oder dunkelhäutig, ob der deutschen Sprache oder einer anderen Sprache mächtig hat das Recht, so zu sein, wie er oder sie ist und sich nicht verstellen zu müssen. Denn genau so, wie derjenige/diejenige ist und aussieht und sich diese Person auch wohl fühlt, genau so ist er/sie perfekt.

Nicht jeder muss dem allgemeinen gesellschaftlich anerkannten Bild von Hübsch entsprechen. Hübsch oder attraktiv ist jemand, der einen guten Charakter hat, jemand der liebevoll, nett, lustig, freundlich, glücklich ist. Auch Menschen, die ein komplett symmetrisches Gesicht und einem – laut neuester Fitnesswahnzeit entsprechenden – trainierten Size-Zero Körper haben, können unglaublich hässlich sein. Und damit meine ich nicht das Aussehen – ich meine damit den Charakter.

Ich bin im Allgemeinen kein Fan davon, jeder Modewelle hinterher zu surfen. Das gesellschaftliche Bild von SCHÖN und PERFEKT hat sich in den Jahren schon häufig geändert. Erinnern wir uns zurück an die Renaissance, dass starke Hüfte und Wohlgenährtheit als Ideal galten. Damit möchte ich jetzt nicht zu Fettleibigkeit oder sonstigem aufrufen. Und auch der Satz: „Nimm dich so, wie du bist. Denn genau so bist du perfekt.“, ist auch mit zweierlei Augen zu sehen. Es hilft überhaupt nichts, 5 mal in der Woche für je 2 Stunden ins Fitnessstudio zu gehen, genauso wenig wie es hilft, zu Hause auf der Couch zu sitzen und sich mit Tonnen an Chips, Schokolade, etc. voll zustopfen. Die Frage, die ihr euch stellen müsst, ist, ob ihr euch in euerer Haut wohl fühlt. Solange ihr das tut, trifft der Spruch Hundertprozent zu. Betrachtet euch einmal im Spiegel. Schaut euch an und stellt euch die Frage: „Mag ich mich?“ Das erscheint im ersten Moment vielleicht etwas komisch, aber sobald ihr die Antwort habt, dann könnt ihr entscheiden, ob ihr etwas ändern wollt oder nicht. Es hilft nichts, wenn ihr euch verändert, nur damit andere euch mögen. Das ist der größte Bullshit überhaupt, denn dann wird das Selbstwertgefühl nie besser werden. Ihr müsst euch selbst mögen und wenn ihr das tut, dann strahlt ihr genau dieses Gefühl auch aus und dann werdet ihr sehen, dass euch andere Menschen ebenfalls ganz anders wahrnehmen. Also wenn ihr es liebt 5 mal in der Woche Sport zu machen, wenn ihr es liebt, Süßigkeiten und Kabberzeug zu essen und das euer Lebensstil ist und ihr damit zufrieden seid, dann ist alles super, so wie es ist.

Oft sollten sich diejenigen, die andere aufgrund ihres Aussehens beurteilen und sogar auch mobben, die Frage stellen, wieso sie das eigentlich tun. Meist sind es nämlich genau die Menschen, die am wenigsten mit sich selbst zufrieden sind. Traurig ist es nur, dass diejenigen dann die Energie lieber in das Schlechtmachen eines Anderen investieren, als in Zeit in sich selbst.

Jeden Morgen, wenn ich meine Augen öffne, lehne ich mich zur Seite, um den Wecker auszuschalten, schlage die Decke zurück und schwinge mich aus meinem Bett und setze meine Brille auf. Jeden Morgen gehe ich ins Badezimmer, putze meine Zähne und ziehe mich an. Meine Lieblingsjeans, meinen Ledergürtel und irgendein Bandshirt. Dann steige ich die Treppe herunter und nehme mir mein Frühstück aus dem Kühlschrank, bevor ich zum Bus laufe. Jeden Morgen das gleiche – fast schon mechanisch.

Am Ende sind wir doch irgendwie alle gleich: Wir sind Menschen mit Gefühlen.

* fiktive Geschichte mit wahrem Kern

11 Comments

  • Sarah 18. Januar 2017 at 0:15

    Du sprichst mir aus der Seele! So ein toller Beitrag.

    Danke!

    xoxo
    Sarah

    http://unsophisticated-sarah.blogspot.de/

  • Elisa Zunder 18. Januar 2017 at 14:57

    Toller Look und wahre Zeilen!

    Liebst, Elisa von http://www.elisazunder.de

  • Billchen 18. Januar 2017 at 14:57

    Da bekommt man beim Lesen schon Gänsehaut. Ich frage mich auch immer wieder was Menschen davon haben andere tagtäglich schlecht zu machen und zu verletzten. Selbst möchte doch auch niemand das einem soetwas passiert, viele denken wohl aber leider nicht an die Konsquenzen. und Auswirkungen.

    • benancy 18. Januar 2017 at 15:01

      Danke für deinen Kommentar!
      Ja ich habe dafür auch kein großes Verständnis. Mir tut es eher leid für die, die sich so verhalten müssen. Denn irgendetwas funktioniert nicht in deren Leben. Dennoch muss man die eigenen Probleme nicht an anderen auslassen.

  • Anja S. 18. Januar 2017 at 19:42

    Ein schöner Artikel, der zum Nachdenken anregt.
    Liebe Grüße
    Anja von Castlemaker.de

    • benancy 18. Januar 2017 at 19:43

      Vielen lieben Dank, Anja. ☺

  • Andrea 18. Januar 2017 at 21:19

    Achje das ist so grausam… ich kenne das verdammt gut, ich hab lange Jahre Schulmobbing hinter mir, auch aus diesen Gründen. Brillenschlange, Knochen,… hast du sehr schön geschrieben!

    • benancy 18. Januar 2017 at 21:27

      Hallo liebe Andrea,

      Danke für deinen lieben Kommentar. Mobbing ist etwas ganz ganz schlimmes. Und ich leide immer mit Mobbingopfern mit. Ich selbst weiß ja auch, wie es sich anfühlt.

      Liebst, Nancy

  • Kim 19. Januar 2017 at 10:22

    Ohje du Arme. Das klingt wirklich hart =(
    Ich kann allerdings gut nachvollziehen, was du meinst. Vor allem was meine – angeblich zu dünne Figur – angeht, habe ich mir jahrelang dasselbe anhören müssen!

    Liebe Grüße,
    Kiamisu

    • benancy 19. Januar 2017 at 10:25

      Hallo liebe Kiamisu,
      Der erste Teil des Beitrages entspringt eher meiner Fantasie, als der Wahrheit, dennoch muss ich so etwas immer wieder erleben und davon hören.
      Lass eins gesagt sein: niemand hat das Recht eine andere Person aufgrund ihres Aussehens zu bewerten oder schlecht zu machen! Auch, wenn es schwer ist, aber da muss man drüber hinweg sehen!

      Liebst,
      Nancy

  • Mina 19. Januar 2017 at 17:52

    Ich kann mich meiner Vorposterin Nancy nur anschließen!
    Hab die Thematik auch schon mehrfach auf meinem Blog angesprochen.
    Steh darüber Süße, wir Frauen sind stark <3

    Liebste Grüße aus Köln,
    Mina von Minamia.de
    No Snapchat, no caviar

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